Stoffwindel-ABC

Das Auswahl an Stoffwindeln ist mittlerweile enorm, aber oft haben wir ratlose Eltern in unseren Workshops sitzen. Sie sind völlig überfordert von Bezeichnungen wie AiO, Hybrid und SiO, ach und was war doch gleich nochmal eine Prefold? Nicht selten wird dann gefragt:

Was ist denn jetzt eigentlich was und brauche ich dafür eine Überhose?

Mit unserem Stoffwindel-ABC wollen wir dir dabei helfen, etwas mehr Durchblick in der Stoffwindelwelt zu erhalten. Du lernst verschiedene Stoffwindeltypen und- materialien kennen und wie du was kombinieren kannst. Also, los geht's!
 


Komplettwindeln (AiO, Pocket)

Die Komplettwindel ist der direkte Zwilling der Wegwerfwindel, nur wasch- und damit wiederverwendbar. Außen eine Nässeschicht aus PUL (Polyester mit Polyurethanmembran), innen ein Saugkern aus unterschiedlichen Materialien. Es ist also kein zusätzlicher Nässeschutz nötig. Verschloßen wird sie entweder mit Klett oder Druckknöpfen (Snaps). Das Wickeln ist hier relativ einfach, da eine komplett frische Windel verwendet wird. Möchte man die Saugkraft erhöhen, können zusätzliche Einlagen eingelegt werden.
Bei den Komplettwindeln unterscheidet man i.d.R. All in Ones (AiOs) und Pockets. AiOs verfügen über einen festvernähten Saugkern bzw. Einlage. Die Pocket dagegen hat eine eingearbeitete Tasche, in die Saugeinlagen eingeschoben werden. Im Gegensatz zu den AiO-Windeln, kann bei den Pockets das Einlagenmaterial und die Menge variiert werden. Damit sind Pockets auch prima für Fremdbetreuung und Windelfrei geeignet.

 

Höschenwindeln

Höschenwindeln (HöWis) gehören zu den Saugkernen und benötigen eine Überhose. Sie sind im Windelschnitt erhältlich und werden häufig mit Klett oder Druckknöpfen, sogenannten Snaps, verschloßen. Aufgrund der Materialmenge sind sie i.d.R. sehr saugstark und eignen sich besonders gut als Nachtwindel oder für Vielpiesler. Durch zusätzliche Einlagen lässt sich die Saugkraft verstärken. Da Höschenwindeln gewickelt werden, bilden Sie hier schon die erste Barriere für den weichen bzw. flüssigen Babystuhl. Damit bleibt auch die Überhose bei häufigem Stuhlgang sauber und muss nicht nach bei jedem Wickeln getauscht werden. Höschenwindeln sind eher auftragend, je nach Hersteller und Ausstattung mehr oder weniger.
Neben den häufig mit Klett oder Snaps verschloessenen Höschenwindeln, gibt es auch Konturwindeln, die eine Windelklammer oder einen Windelpin benötigen, Pull Ups, Höschenwindeln zum Hoch- und Runterziehen, und Höschenwindeln mit Bindebändern. Konturwindeln sind sehr flexibel und können gut an das Baby angepasst werden. Damit fällt das Wickeln sehr leicht. Pull Ups werden gerne für sehr aktive, sich gerne beim Wickeln hinstellende Babys genutz. Außerdem sind sie beliebt bei Windelfrei oder auch als Trainer. Höschenwindeln mit Bindebändern sind eher selten. Klassich wird nohc oft die Strickbindewindel genutzt.

       

 

 

Prefolds

Prefolds sind im Prinzip Faltwindeln, die in drei Bereiche eingeteilt sind. Der mittlere Bereich ist dabei anhand mehrerer Schichten verstärkt. Durch verschiedene Wickel- und Faltmöglichkeiten, kann so die Saugleistung in unterschiedlichen Bereichen varriert werden. Das macht die Prefold sehr saugstark. Zum Wickeln wird eine Windelklammer (Snappy) oder ein Windelpin benötigt. Sie sind in verschiedenen Größen und Materialien erhätlich.





 

 

Faltwindeln 

Mullwindeln sind beispielsweise klassische Faltwindeln. Allgemein sind Faltwindeln in unterschieldichen Größen erhältlich und bestehen oft aus einer oder mehreren Stoffschichten. Je nach Bedarf können sie unterschiedlich gefaltet und die Saugkraft damit variiert werden. Sie trocknen recht schnell und können im Prinzip mit allen Windeltypen, bis auf die AiO, kombiniert werden.   



 

 

 Einlagen

Einlagen sind i.d.R. mehrere vernähte Stoffstreifen. Sie können entweder aus nur einem Material bestehen oder die Materialien der Stoffstreifen werden variiert. Auch die Länge und Breite kann unterschiedlich sein. Ebenso können Druckknöpfe zum Einknöpfen in Überhosen oder auch Höschenwindeln vorhanden sein. Einlagen lassen sich prima zur Saugkraftverstärkung  nutzen, egal ob in Komplettwindel, Höschenwindel oder einfach in Überhosen. Je nach Bedarf können sie gefaltet oder gerade eingelegt werden. 
Neben den waschbaren Einlagen, sind auch Wegwerfeinlagen für Stoffwindeln erhältlich. Kombiniere ich diese mit beispielsweiser eine Überhose oder einer Ai3, dann erhalte ich eine Hybridwindel. Eine Windel, die ich sowohl mit Wegwerfeinlagen, als auch mit waschbaren Einlage nutzen kann.


 

 

Überhosen 

Überhosen sind der Nässeschutz in der Stoffwindelwelt. Sie sind in verschiedenen Formen und Materialien erhältlich, benötigen einen Saugkern und werden als All in Two (Ai2) bezeichnet.
Bei der Materialauswahl stehen synthetische Materialien wie PUL (Polyester mit Poyurethanmembran) und Polyesterfleece und das natürliche Material Wolle zur Verfügung. PUL ist wenig auftragend, ist in verschiedenen Prints erhältlich und lässt sich auch mal schnell auswischen. Fleece ist sehr weich, aber eher selten in Deutschland zu finden. Wollüberhosen sind vorwiegend aus Schafswolle gearbeitet und können je nach Hersteller mehr oder weniger auftragen. Außerdem ist hier eine größere Auswahl an Schnitten möglich. So sind Wollüberhosen im Windelschnitt mit Klett- oder Snap-Verschluß erhältlich, so wie die klassische Schlupfvariante (Pull Ups) mit kurzen (Shortie) oder langen Beinen (Longie) oder auch zum Binden. Synthetische Überhosen werden hauptsächlich im Windelschnitt mit Klett- oder Snap-Verschluß oder auch als Schlupfvariante mit kurzen Beinen (Pull Up) angeboten. Wollüberhosen müssen gefettet werden, damit sie dicht halten. Wie das geht, erfährst du hier.
Überhosen im Windelschnitt bieten noch einige Varianten, die vorwiegend bei PUL-Überhosen auftreten: beispielsweise einfache oder doppelte Beinbündchen, mit inneren Laschen oder ohne, mit Druckknopf für einknöpfbare Einlagen. Ob du lieber einfache oder doppelte Beinbündchen magst, ist Geschmackssache. Wichtig ist jedoch, dass das innere Beinbündchen gut an deinem Baby anliegt und abschließt. Das doppelte Beinbündchen bildet im Prinzip eine kleine Wanne, in die Saugeinlagen eingelegt werden können. Verfügt die Überhose an inneren Laschen, so lassen sich dazischen Saugeinlagen, gefaltete Mullwindeln oder auch Prefolds einlegen. Damit kann wirklich nichts verrutschen und fällt so schnell auch nicht beim schnellen Auswickeln raus. Überhosen mit der Möglichkeit, Saugeinlagen einzuknöpfen, nennt man Snap in Ones (SiOs). Hier ist es jedoch wichtig auf passende einknöpfbare Einlagen zu achten. Beispielsweise verwenden manche Hersteller nur einen Druckknopf, andere dagegen 2. SiOs sind durch die eingeknöpften Einlagen auch hervorragend für Windelfrei geeignet.
Mit was lassen sich nun die verschiedenen Überhosen kombinieren? Im Prinzip geht alles bei Überhosen im Windelschnitt. Hier kannst du Höschenwindeln, Mullwindeln, Prefolds oder auch Einlagen verwenden. Gegebenfalls fallen manche Überhosen eher etwas schmaler aus, so dass hier nicht jede Höschenwindel genutzt werden kann. Bei Pull Ups dagegen muss der Saugkern gewickelt werden, d.h. hier verwendest du Höschenwindeln, gewickelte Mullwindeln oder Prefolds. Einlagen oder gefaltete Mulltücher oder Prefolds würden verrutschen und die Windel läuft aus.


 

 

 Ai3

Die All in Three (Ai3) Windel ist eine dreiteilige Windel, die aus einer Außenhose im Windelschnitt, einer einknöpfbaren Innenwanne und einem Saugkern besteht. Die Außenhose ist von der Haptik her angenehm weich und besteht oft aus Baumwolle in verschiedenen Prints. Die darin einknöpfbare Innenwanne stellt den Nässeschutz dar. Dieser ist damit nur auf den feuchtwerdenden Bereich reduziert. Die Innenwanne ist wie die Überhosen entweder in synthetischem Material (PUL) oder auch in Wolle erhältlich. Als Saugkern eignen sich jedoch nur passende Einlagen, gefaltete Mullwindeln und Prefolds. Saugkerne die gewickelt werden, können hier nicht kombiniert werden, da sich hier aufgrund des fehlenden Nässeschutzes an der Hüfte Nässebrücken bilden. Im Prinzip reicht es hier den Saugkern bei jedem Wickeln zu wechseln. Sollte mal die Innewanne verschmutzt sein, dann wird einfach eine neue eingeknöpft. 
Für Fremdbetreuung und Windelfrei stellt die Ai3- Windel daher eine gut geeignete Windel dar, denn die einknöpfbare Innenwanne lässt sich hier gut vorbereiten und einfach austauschen. 
Je nach Hersteller ist der Windelpo auch recht schmal, was besonders vielen Eltern gefällt. 
 

 

Liner 

Liner sind optional und können als oberste Schicht in die Windel gelegt werden. Sie werden in verschiedenen Materialien und Größen angeboten. Es gibt sie als Wegwerfprodukt, das Windevlies, und als waschbare Alternative, Windelfleece und Woll-Liner. Windelvlies hat in etwas die Konsistenz und Haptik von Toilettenpapier, löst sich jedoch nicht so schnell auf, so dass wir eine Entsorgung in der Restmülltonne empfehlen und nicht in der Toilette. Windelvlies fängt den Babystuhl auf, so dass weniger aus der Windel ausgewaschen werden muss. Bei Urinverschmutzung lässt sich das Windelvlies i.d.R. in der Waschmaschine waschen und nochmal verwenden.
Fleeceliner (Windelfleece) ist angenehm weiches Polyesterfleece. Auch dieses fängt den Stuhl des Babys ab, hält jedoch die Haut zusätzlich etwas trockener. Wollliner sind die natürliche Alternative zu Fleecelinern und sollten im Gegesatz zu Wollüberhosen nicht gefettet werden. Gefettet können sie jedoch als Nässeschutzverstärkung in die Überhose (zwischen Überhose und Saugkern) gelegt werden. Fleece- und Wollliner werden im Gegensatz zum Windelvlies gewaschen. 


 

 

 Wetbags

Nasstaschen (Wetbags) sind hervorragende Möglichkeiten, verschmutzte Stoffwindeln zu transportieren bzw. zu lagern. Sie sind vorwiegend aus synthetischem Material (PUL), aber auch in Wolle erhältlich. Aufgrund der Materiailen, sind Wetbags luftdurchlässig, aber die Feuchtigkeit bleibt drin. So fangen, auch bei längerer Lagerung im feuchtem Milieu, die Stoffwindeln nicht an zu schimmeln. 
Die Größen der Wetbags variieren zwischen sehr klein, beispielsweise für Waschläppchen oder Stoffbinden und sehr groß, für ca. 20-30 Windeln. Häufig eignet sich für unterwegs ein Wetbag in der Größe  für ca. 2-3 Windeln. In der Regel verfügen Wetbags über ein Nassfach, in dem die verschmutzten Stoffwindeln gelagert werden. Manche Ausführungen bieten jedoch noch ein zweites Fach, ein Trockenfach. Dort könenn beispielsweise Ersatzwindeln oder auch Wechselkleidung eingesteckt werden. 
Doch Wetbags sind nicht nur eine prima Aufbewahrung für verschmutzte Stoffwindeln, sondern auch hervorragend für Stoffbinden oder feuchte Bade- oder Sportkleidung geeignet. Sie lassen sich also noch gut über die Wickelzeit hinaus nutzen.